Thema Nr. 3.1: Fehlverhalten beim Essen am Beispiel - Gier -

Unter Gier verstehe ich nicht das hungrige Essen, weil Hunger in der Regel ein natürlicher Instinkt des Körpers ist. Unter Gier verstehe ich das Gefühl, dass ich möglichst viel von etwas haben bzw. essen möchte, wobei auch andere Gefühle mitspielen können, wie z.B. dass ich das jetzt unbedingt brauche oder dass ich nicht genug davon bekomme. Ein Beispiel das ich selbst gut kenne ist bei Süßem. Ja, davon konnte ich oftmals einfach nicht genug bekommen, doch warum?

Gier, also das Gefühl, dass ich nicht genug von etwas in mich hineinbringen kann, ist ein Zeichen für einen bestimmten Mangel, den ich in mir habe. Doch was ist das für ein Mangel? - Wie geht es mir, wenn ich etwas nicht bekomme oder wenn ich von etwas viel zu wenig bekomme? - Nun, ich fühle mich wohl verletzt, übergangen, zu wenig beachtet, zu wenig geliebt. Letztlich wird es mich traurig machen und ich werde Schmerz fühlen. Gier (nicht genug zu bekommen) zeigt also immer, dass Schmerz und Traurigkeit in mir ist, die ich jedoch nicht fühlen will. Eigentlich ist also ein ganz sensibles und verletztes Wesen in mir, das sich nach Liebe sehnt und das ich mich aber nicht zu leben trau. Deshalb versuche ich auch, es mit Essen „satt“ zu bekommen, was natürlich nicht funktioniert, da der Schmerz nicht heilt, sondern nur zugedeckt wird. Dieses Zudecken zeigt sich dann in meinem Körper als „Schutzpolster“ (oder auch Fettpolster genannt...). Um dieses Polster wieder loszuwerden muss ich nun genau das Gegenteil von dem machen, was die meisten glauben: Ich muss es annehmen (nicht loswerden). Wenn ich mich mit dem Polster annehme, werde ich mich vielleicht nicht mehr so schön fühlen, aber dann kann ich auch die Verletztheit und Sensibilität erahnen, die da in mir ist. Wenn ich es schaffe, diese Verletztheit und Sensibilität in mir zu nehmen, fängt der Weg der Heilung endlich an!

Wenn ich also meine alten Wunden heile und meine Sensibilität wieder lebe, kann mein Körper aufhören, sie (für mich) beschützen zu müssen. Automatisch wird meine Gier weniger und körperlich lass ich mir auch leichter los...

Vielleicht wird an dieser Stelle klar, warum erzwungene Genügsamkeit sicher nichts mit Heilung zu tun hat, sondern nur mit Verdrängung und Abwehr meiner Gefühle. So erklärt sich auch der Jojo Effekt, wenn ich versuche doch einmal etwas abzunehmen. Da der Mangel nicht behoben wird und ich mir dann auch noch übers Essen das bisschen Liebe entziehe, was ich wenigstens darüber noch bekam, wird der Mangel immer größer und das Zunehmen danach noch viel schlimmer. Außer ich bis ans Ende meines Lebens genügsam und bescheiden...

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Ich möchte hier kurz einwenden, dass es beim Thema Gier nicht um das „möglichst schnelle“ Essen geht oder um das Verhalten, „möglichst schnell etwas zu bekommen“. - Dahinter steckt eine andere Angst bzw. ist es einfach eine andere Ursache als bei Gier.


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